Montag, 29. März 2010

Warum Du keine 20 Jahre brauchst, um Meister zu werden!

Wing Tsun verbindet praktischerweise zwei "Vorteile": Man lernt sehr schnell, sich zu verteidigen - Um aber ein wahrer Meister zu werden, benötigt es viele viele Jahre emsigen Lernens! Praktisch ist dieser Umstand vor allem für den Wing Tsun Meister: Er kann damit werben, dass potentielle Schüler sich schnell verteidigen können, behält sie aber lange in der Schule, wenn sie "so gut" werden wollen wie er selbst.
Ich sehe diese Dinge etwas anders!
Interressanterweise haben die "Großmeister" des Wing Tsun oft nur wenige Jahre bei ihrem Lehrer gelernt, bevor sie zum Meister bzw. Großmeister avancierten.
Das man im WT, wie überall, ein Leben lang dazulernen, sich verbessern und weiterentwickeln kann, bestreite ich nicht. Jedoch sollte meiner Ansicht nach, Wing Tsun nicht aus dem Ansammeln von Techniken bestehen, sondern aus dem Verbessern von Bewegung und Verhaltensweisen. Dies kann relativ schnell geschehen und darf auch nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen, da sonst die Entwicklung stagniert.
Das es auch Schüler gibt, die es trotz jahrelangem Üben nicht auf "meisterliches" Niveau schaffen, ist verständlich. Auch im Fußball gibt es solche, die schon in jungen Jahren auf Bundesliganiveau spielen und andere, die über die Kreisklasse nie hinweg kommen. Davon abgesehen hat auch nicht jeder den Anspruch an sich selbst, ein Meister zu werden und muss es auch nicht.
Oft gibt es im Wing Tsun "Wartezeiten". Das heisst, es wird festgelegt, dass jemand beispielsweise 18 Monate trainieren muss, bevor er den 1.TG ablegen kann. Diese Wartezeiten halte ich für Unsinnig. Es hängt von der Trainingshäufigkeit, Trainingsqualität und den Vorkenntnissen und dem Lerntempo des Schülers ab, wie schnell er dazulernt. Wartezeiten können die Ausbildung künstlich in die Länge ziehen. Hier ist scharf darauf zu achten, dass Programme nicht aufgrund wirtschaftlicher Interessen (Kundenbindungsprogramm) eingeführt und in die Länge gezogen werden.
Wichtig für die Schüler ist es, im WT wegzukommen von dem Techniksammeln, hin zum gezielten Verbessern von Bewegungen! Oft wird "das Techniklose" im WT propagiert, dass es konsequent umgesetzt wurde ist mir bisher noch nicht begegnet. 
Manchmal hat daran auch der Schüler selbst Mitschuld. Ihm wird eine Technik/Bewegung gezeigt. Er übt sie kurz, meint sie zu können und möchte etwas "Neues". Die Aufgabe eines guten Lehrers ist in diesem Fall, den Schüler über die evtl. vorhandenen Defizite in seiner Bewegung aufzuklären und ihn mit geeigneten Maßnahmen (z.B. Variaton in Übungen) dazu zu motivieren, an der Verbesserung zu arbeiten.
Im WT stellt der Lehrer meist die "Quelle" dar, von dem der (unmündige) Schüler neues Wissen beziehen muss - das sollte nicht so sein!
Das Ziel des WT-Lehrers sollte sein, einen "mündigen" Schüler auszubilden. Das heißt, der Schüler soll mit zunehmendem Fertigkeitsniveau in die Lage versetzt werden sich mehr und mehr selbststädnig zu korrigieren und seine Ausbildung (mit-)gestalten zu können.
Dadurch macht sich der Lehrer keinesweg überflüssig. Z. B. im Tennis ist der Profispieler besser als sein Trainer, dennoch ist dieser für die Strukturierung des Trainings, die Motivation und das Feedback unersetzlich. So kann auch der gute Kampfkunstlehrer ein ständiger Berater und Begleiter für seinen "meisterlichen" Schüler sein.  

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